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Ausstellung von Martin Bender – Leben hinter der Maske

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In der Hagener Galerie von Elvyra Gesser strahlen seit dem 6. März zahlreiche Gesichter durch die Fenster. Riesiges Rotes Grinsen – darunter nachdenkliche bis traurige Gesichter. Martin Bender erlaubt den Betrachtern durch seine Werke einen Blick hinter die Maske, das aufgesetzte Lächeln, die Perfektion der Selbstdarstellung.

Bender-21Die Ausstellung trägt den Namen „Litsa“ und setzt sich auf optisch ansprechende Weise kritisch mit dem aktuellen Thema der Selbstdarstellung auseinander. Das eigene Ich als Marke zu sehen, scheint in der heutigen Zeit ein Muss. Über die heutige Zeit zu sprechen ebenso. Social Media hat uns dazu gemacht: Selbstvermarkter. Jedes Foto, jeder Post und jedes Like wird sorgsam überlegt, mit Hashtags oder einem Zitat versehen und in die Weiten des Internets versandt, wo Freunde bis Fremde sich munter darüber auslassen können und das virtuelle Ego wieder auf die Stufe heben, auf der es sich am wohlsten fühlt. Zu Hause sitzt man dann im schummrigen Bildschirmlicht, streicht sich über das Bäuchlein, was sich im echten Leben nicht retuschieren lässt, und erfreut sich an der Aufmerksamkeit.
Martin Bender ist nicht so. Der Künstler ist kein Typ für die große Öffentlichkeit. „Am liebsten“, so sagt er auf der Vernissage, „wäre ich gar nicht hier.“ Er schaut sich lieber ruhig – etwas von der Masse abgeschlagen – die Menschen an und verarbeitet die Eindrücke in seinen Werken. Passend dazu gestalten sich auch seine Anfänge. Für jeden sichtbar waren seine Werke vor vielen Jahren, doch von ihm gab es keine Spur. Aufgewachsen in Kasachstan und Russland, kam er vor fast 17 Jahren nach Deutschland und begann sich hier den öffentlichen Raum zu eigen zu machen. Er kleisterte, malte, sprühte. Jede Fassade hatte das Potenzial seine Leinwand zu sein. Doch unterschied ihn auch hier schon etwas vom gängigen Klischee eines Freiraumkünstlers. Seine Werke auf der Grenze zu Illegalität sind so anmutend, dass während der Ausstellung sogar ältere Damen zu ihm kommen und fragen, ob er die Portraits in Wehringhausen und Haspe hinterlassen habe. Sie seien so wunderschön und es sei schade, dass Wind und Wetter so viel von ihnen hat verschwinden lassen. Sie denken nicht mal darüber nach über die vermeintlichen Schmiererei an Hausfassaden zu meckern. Mit einem freudigen Grinsen sollen die Damen später die Ausstellung verlassen.

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Doch es wären nicht Martin Benders Werke, wären sie einfach schön. Nichts ist nur schön, das weiß Martin. Für die Schönheit seiner Bilder trägt er einen hohen Preis. Seine Haut reagiert stark allergisch auf Farben. So wie er Auswirkungen durch sein Schaffen hat, haben auch seine Gemälde eine Ebene, die sich unter der Ästhetik versteckt. Unter der Maske der Anmut. Daher versteckt sich auf jedem der ausgestellten Portraits eine kleine Schmeißfliege, als Symbol für das Ende aller Schönheit und den unaufhörlichen Zerfall der Maske und dem Leben dahinter. Jedem Betrachter bleibt es selbst überlassen, ob ihm oder ihr der Blick auf die Oberfläche reicht oder ob er oder sie doch tiefer blicken möchte.
Die Möglichkeit dazu bietet sich in jedem Fall noch bis zum 31. März in der Langestr. 29 in 58089 Hagen.

Text: Jan Kempinski
Foto: Tobias König

Jan Kempinski

Chefredakteur bei Hömma
Jan Kempinski ist Chefredakteur, Kolumnist, Interviewer und Verantwortlicher des Bereichs Social Media. Seine Texte für die Kolumne Seemannsgarn scheinen verkopft, aber dennoch weltoffen. Neben den redaktionellen Aufgaben ist Jan für die Organisation & Koordination bei Hömma zuständig.
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Jan Kempinski ist Chefredakteur, Kolumnist, Interviewer und Verantwortlicher des Bereichs Social Media. Seine Texte für die Kolumne Seemannsgarn scheinen verkopft, aber dennoch weltoffen. Neben den redaktionellen Aufgaben ist Jan für die Organisation & Koordination bei Hömma zuständig.

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